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Die Story von Martha W.

Letztes Update: 1. Januar 2006

Hier die bewegende Geschichte der Martha W., einer Sinti-Frau. Sie wurde 1921 in Kiel geboren. Am 20. Mai 1940 wurde sie nach einem Zwangsarbeitslager in Belzec deportiert, zusammen mit ihren zwei Kindern (1 und 2 Jahre alt), ihrer Mutter und ihrem Bruder.
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In Hamburg-Rothenburgsort habe ich zusammen mit meinen Eltern und einem Bruder in der Marckmannstraße gewohnt. Dort bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich hatte einen Bruder, der eineinhalb Jahre jünger war als ich. Wir gingen beide in die Volksschule in der Marckmannstraße. Er ging in die Schule für Knaben und ich nebenan in die Mädchenschule. Nach Abschluss der Schule besuchte ich dann die Allgemeine Haushaltungsschule am Ausschläger Weg.

Mein Vater, F. G., war Soldat im Ersten Weltkrieg und hatte sogar das Eiserne Kreuz als eine besondere Auszeichnung bekommen. Das hing bei uns im Wohnzimmer an der Wand, bis eines Tages Polizisten kamen und die Urkunde von der Wand rissen. Sie sagten, dass mein Vater nicht würdig sei, eine solche Auszeichnung zu haben. Auf einmal war mein Vater nicht mehr würdig. Mein Sohn hat noch den Wehrpass von meinem Vater, wo drin steht, welche Kämpfe er alle mitgemacht hat.

Im Juni 1938 wurde mein Vater dann verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht. Nachdem sie meinen Vater abgeholt hatten, sind wir dort weg gezogen. Meine Mutter, Pauline G., hat dann für uns eine kleine Wohnung in der Kolbergstraße gefunden, das ist in der Nähe vom Berliner Tor. Da haben wir gewohnt, bis sie uns dann auch abgeholt haben. Ich war 18 Jahre alt und verlobt. Ich hatte eine kleine Tochter, die im Februar 1938 geboren worden war. Das war drei Monate bevor mein Verlobter im Juni mit den anderen Männern nach Sachsenhausen deportiert wurde. Mein Vater wollte, dass wir erst heiraten, wenn ich 18 werde. Ich bin erst im Dezember 18 geworden und mein Vater und mein Verlobter, die sind ja schon im Juni 1938 weggekommen. Als mein Verlobter deportiert wurde, wusste ich nicht, dass ich wieder schwanger war. Mein Sohn ist im Februar 1939 geboren. Er war grade ein Jahr alt, als wir nach Polen deportiert wurden.

Nachdem sie meinen Vater nach Sachsenhausen gebracht haben, musste meine Mutter sehen, wie sie mit uns durch kam. Arbeit hat sie nicht gekriegt. Ich natürlich auch nicht. Außerdem konnte ich die Kinder ja nicht allein lassen. Wenn sie irgendwo gehört haben "Zigeuner", haben sie dir überhaupt keine Arbeit gegeben. Mein Bruder hatte schließlich doch Glück. Er fand Arbeit als Schildermaler. Er hat die Reklame an den Autos gemalt. Er hatte einen guten Chef. Fast zwei Jahre hat er bei der Firma gearbeitet. Dann hieß es plötzlich, dass wir nach Polen sollten. Der Chef hat sich sogar noch dafür eingesetzt, dass er nicht wegkommt, sondern dass er weiter bei ihm arbeiten kann. Er hat der Polizei gesagt, dass sie ihn brauchen, weil er gute Arbeit macht. Aber es war nichts zu machen. Das hat alles nichts genützt. Mein Bruder war noch nicht 17 als wir deportiert wurden. Ich war knapp 19. Meine Mutter war schon fast 50.

Dock Shed
Hafenschuppen
Hannoverscher Bahnhof #1
Hannoverscher Bahnhof #1 *
Im Mai, ich glaube, es war der 16. Mai 1940, haben sie uns alle abgeholt und zum Fruchtschuppen im Hafen gebracht(Hamburg). So richtig genau erinnere ich mich gar nicht mehr. Ich weiß nur, dass da so furchtbar viele Leute in dem Schuppen waren. Da war es wie so in einem Ameisenhaufen, so viele Menschen, die durcheinander liefen. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Tage wir in dem Schuppen waren. Lange war das nicht, vielleicht drei Tage. Ganz in der Nähe, ein paar Schritte entfernt, mussten wir in einen Güterzug, in Güterwaggons, einsteigen (am Hannoverschen Bahnhof). Das war natürlich ein schreckliches Durcheinander, es waren ja viele hundert Menschen. Erzählt haben sie uns, dass wir nach Polen kommen, dass wir da ein Häuschen kriegen. Und sie haben gesagt, dass mein Vater schon da wäre.

Hannoverscher Bahnhof #2
Hannoverscher Bahnhof #2 *
Und nichts war. Als wir da angekommen sind, stand die SS um den Zug rum. Die standen alle schon da und haben uns aus den Waggons getrieben. Es waren auch viele Polizisten mitgekommen. In jedem Waggon waren zwei Polizisten (möglicherweise in den Bremserhäuschen am Ende einiger Waggons). Die haben uns ja nicht einfach so fahren lassen. Die haben gedacht, wir steigen aus oder reißen aus. Das wäre ja auch so gewesen. Die Polizisten, die zur Bewachung mit uns gekommen waren, die standen wie die begossenen Pudel da, als sie die SS sahen und wie sie hörten, wie der SS-Kommandant, das war so ein kleiner Mann, der stand mit der Peitsche da und schrie gleich "Wenn ihr nicht gehorcht!". Ach, was er alles gesagt hat. Er hat gesagt, wir wären wie Hunde und so werden wir auch behandelt. Das war so schrecklich. Und die Polizisten aus Hamburg, die haben da auch gestanden und waren ganz sprachlos. Ich nehme an, die haben das alles gar nicht so gewusst, was sie da in Belzec mit uns machen. Wir mussten dann in eine riesige Scheune oder es war mehr ein riesengroßer Schuppen. Da war nur altes Stroh auf dem Boden. Da mussten wir alle rein. Draußen davor standen SS-Posten.

Ich weiß heute gar nicht mehr, wie lange wir in diesem Lager in Belzec waren. Es war ja Sommer als wir da ankamen. Ich glaube, wir waren einige Wochen dort. Es war schrecklich da. Man konnte sich nicht waschen, es gab keine Toiletten. Wir waren alle in dem Schuppen zusammen gepfercht. Dann mussten wir gleich arbeiten. In einer Arbeitskolonne. Wir mussten Panzergräben graben. In Belzec waren auch viele Juden. Die waren im selben Schuppen mit uns, auch in der Arbeitskolonne. Meistens waren sie nur ein paar Wochen da, sie sind von Belzec woanders hingekommen.

Das Essen war furchtbar. Einer von den Zigeunern sollte für alle kochen. Die SS hat Krähen oder Raben geschossen und so wie sie waren in den großen Topf geworfen. Und das wollte der Mann nicht machen, weil man die Vögel doch nicht einfach so kochen kann. Da haben sie ihn so gehauen, dass das Blut aus seinen Hosen unten rausgelaufen ist.

Und eines Tages mussten wir uns anstellen, alle die, die Kinder hatten, weil es etwas Besonderes für die Kinder zu essen geben sollte. Ich hatte ja zwei Kinder. Meine Tochter war zwei Jahre alt und mein Sohn ein Jahr. Jeder kriegte eine Schale. Da war Brot in Milch eingebrockt. So sah das jedenfalls aus. Das war extra für die Kinder. Ja, und ein Kind nach dem anderen ist in den nächsten Tagen gestorben. Da war ein Wehgeschrei, ein Klagen und Weinen. Kurz nachdem die Kinder das gegessen hatten, bekamen sie keine Luft mehr, sie erstickten. Zuerst starb mein kleiner Junge. Ich bin morgens aufgewacht. Irgendjemand hatte mich geweckt, weil das Kind sich aufgestrampelt hatte und jemand wollte es wieder zudecken. Ich wachte davon auf und wollte den Jungen hoch nehmen. Da war er schon ganz steif. Ich war ganz fassungslos und wusste gar nicht, was ich machen sollte. Eine Cousine von mir, Frau Böhmers Schwester, hat ihn hochgehoben und da kam ein großer Klumpen Eiter aus seinem Hals. Das haben die Kinder alle gehabt, die da gestorben sind. Meine Tochter, die zwei Jahre alt war, ist am nächsten Tag genauso gestorben.

Eines Tages mussten wir in Belzec wieder in einen Viehwaggon. Da gab es keine Abteile, sondern nur den nackten Boden. Fenster gab es nicht, sondern nur oben so Luftschlitze. Es gab auch keine Toiletten. Wir mussten also alle in diesen Zug und wussten überhaupt nicht, was mit uns passieren würde. Niemand hat uns was gesagt. Sie haben uns dann nach Krychow gebracht. Wir waren eine Nacht unterwegs in diesem Viehwaggon. Als wir am Bahnhof ankamen, standen da schon so Pferdewagen, mit denen sie uns dann ins Lager gebracht haben. Das war ein ehemaliges polnisches Zuchthaus weit außerhalb von der Bahnstation. Bewacht wurden wir da von Männern in schwarzer Uniform. Das waren Volksdeutsche (Menschen deutscher Herkunft, die ausserhalb Deutschlands lebten). Die standen überall. Aber auch die SS.

Als wir da ankamen, mussten wir erst mal unsere Behausung herrichten. Es sollte auch eine Küche gebaut werden. Wir mussten dafür große Steine tragen. Dafür mussten wir uns ein Brett auf die Schulter legen und darauf haben sie dann die Ziegelsteine gelegt. Das mussten nur die Frauen machen. Die Männer mussten andere Arbeiten machen. Die Ziegelsteine waren natürlich furchtbar schwer.
Später mussten wir im Moor arbeiten. Wir haben mit den Beinen im Moor gestanden. Ich hab heute noch die Narben davon an den Beinen. Das sind alles helle Flecken, bis oben hin, denn wir standen ja fast bis zur Hüfte im Moor. Meine Beine waren ganz vereitert. Wir mussten da schaufeln. Ich hatte so etwas natürlich noch nie vorher gemacht und wusste ja gar nicht, wie ich mit der Schaufel umgehen sollte. Obwohl meine Beine so kaputt waren, musste ich natürlich immer wieder zur Arbeit. Dann hat sich alles entzündet. Meine Mutter hat von irgendwoher einen Kissenbezug bekommen, ich weiß nicht woher sie den hatte, jedenfalls hat sie den in Streifen gerissen wie Binden und mir damit die Beine umwickelt.

Mein Bruder musste da auch arbeiten. Und ich weiß heute nicht, wie das kam, sie haben ihn jedenfalls erschossen. Im Lager haben wir von jemandem erfahren, dass mein Vater 1941 in Dachau gestorben ist. Er kam erst nach Sachsenhausen, von da nach Mauthausen. Da musste er im Steinbruch arbeiten. Mein Vater war schon 58. Das war schwere Arbeit. Von Mauthausen ist er nach Dachau gekommen. Wie er da gestorben ist, weiß ich nicht genau. Wir haben im Lager jemanden getroffen, der war im Alter meiner Mutter. Er hat erzählt, dass mein Vater in eine Art Bunker gekommen ist, wo man ihn eingesperrt hat. Da hat er nichts zu trinken und zu essen gekriegt, weil die sehen wollten, wie lange ein Mensch ohne Essen und Trinken das aushält. Er hat erzählt, dass man ihn nicht wieder erkannt hätte. Er war ganz klein und verschrumpelt. Dann ist er gestorben.

Wir wussten nun, dass mein Vater auch tot ist. Mein Bruder war tot und auch meine beiden Kinder. Meine Mutter sagte zu mir: "Wir müssen sehen, dass wir hier weg kommen, ganz egal wie, denn hier kommen wir sonst nicht lebend raus." Das war 1942. Und wir haben es eines Nachts geschafft. Mit Todesangst, aber wir haben es geschafft. Wir sind nachts raus und sind dann gelaufen, gelaufen, gelaufen. Die ganze Nacht. Nichts weiter wie gelaufen, dass wir weg waren. Wir haben uns in den Wäldern aufgehalten. Versteckt haben wir uns in Strohhaufen. Da haben wir uns an der Seite Löcher rein gemacht und sind da reingekrabbelt.

Als wir schon ziemlich weit weg vom Lager waren, haben wir einen Juden getroffen, der auch geflohen war. Der hatte wohl gesehen, dass wir oben im Wald, ziemlich versteckt, ein kleines Feuer gemacht hatten. Er kam dann und hat sich zu uns gesetzt und hat meine Mutter gefragt, ob er nicht bei uns bleiben könnte, mit uns gehen könnte. Meine Mutter sagte ihm dann aber: "Das geht nicht. Gehen Sie besser allein und ich mit meiner Tochter allein, denn wenn wir zusammen gehen, dann kriegen sie uns bestimmt." Sie meinte, je mehr wir sind, umso gefährlicher wird es, dass sie uns finden.

Wir haben uns dann zu den Bauern getraut. Manchmal konnten wir bei der Arbeit helfen. Dafür haben wir dann was zu essen gekriegt. Wir mussten uns ja immer verstecken und durften uns ja nicht sehen lassen. Oft war das so, dass die Bauern uns weg geschickt haben. Sie hatten wohl Angst, sie könnten Schwierigkeiten kriegen, wenn sie uns was geben oder uns helfen. Eines Nachts haben wir wieder im Wald geschlafen, das war so am Waldrand, das war nicht so ein dichter Wald. Frühmorgens kam ein Bauer mit seinem Pferdewagen und hielt bei uns an. Er hatte uns gesehen, ist abgestiegen, kam zu uns und sagte: "Was macht ihr denn hier? Gestern war die SS hier und hat ganz viele Juden hergebracht und sie alle erschossen. Sie können sie sehen. Gucken Sie mal dahinten." Ich hatte natürlich Angst und bin nicht hingegangen. Aber meine Mutter ist hingegangen, wo er gezeigt hat und sie hat die Schuhspitzen von den Toten gesehen, die in einer Grube lagen. Wir sind vor Schreck sofort weiter gelaufen. Das war schrecklich.

Die ganze Zeit war furchtbar. Immer mussten wir weiter. Mein Vater war tot, mein Bruder, meine beiden Kinder. Wir hatten kein Zuhause. Wir mussten uns immer verstecken. Das war eine schlimme Zeit. Von 1942 bis Kriegsende, bis 45 waren wir so unterwegs. Auf der Flucht haben wir meinen späteren Mann wieder getroffen. Das war in der Nähe von Warschau. Er war auch in Krychow im Lager gewesen, zusammen mit seiner Frau. Wir kannten uns von Hamburg. Er wohnte damals in der Stresemannstraße. Seine Frau starb im Lager und er war allein. So ist es gekommen, dass wir uns dann näher angefreundet und dann auch geheiratet haben.
1945 sind meine Mutter und ich und Erwin, das war mein Mann, in Hamburg angekommen. Wir sind als erstes da hingegangen, wo wir gewohnt haben, in die Kolbergstraße in Rothenburgsort. Da war nichts mehr, nur noch Trümmer. Alles weg. Was sollten wir nun machen? Wir sind zur Polizei gegangen. Die wollten oder konnten uns auch nicht helfen. Schließlich haben sie uns in ein Auffanglager, ein Flüchtlingslager in Bahrenfeld geschickt. Da waren Flüchtlinge und Ausgebombte untergebracht.

Mein Mann hat immer nach Bekannten geguckt und er hat seine Brüder gesucht. Er hatte fünf Geschwister. Er wollte wissen, was aus denen geworden war, ob sie noch lebten. Und tatsächlich, nachdem wir schon acht Tage in Hamburg in diesem Auffanglager waren und wirklich jeden Tag durch die Stadt gelaufen sind und versucht haben jemanden zu finden, gehen wir so die Reeperbahn runter und auf einmal ruft jemand hinter uns: "Erwin, Erwin!" Und wir gucken uns um, und das war ein Bekannter. Und er konnte ihm sagen, dass der Bruder von meinem Mann, Oskar, auch in Hamburg ist. Er sagte zu uns, dass der meinen Mann auch überall sucht. Wir haben ihn dann auch getroffen. Er wusste dann, dass es in Bayern eine Möglichkeit für uns geben sollte. Wir sind dann zusammen nach Bayern. Das war nicht weit von Lichtenfels. Da gab es Baracken, in die wir einziehen konnten. Die haben wir uns aufgeteilt. Meine Mutter ist zusammen mit uns nach Bayern gegangen. Da war auch noch ein anderer Bruder von meinem Mann. Wir haben uns da alle angemeldet und haben auch Lebensmittelkarten bekommen. Viel zu essen gab es nicht, aber manchmal gab es sogar Obst oder Kaffee. Überhaupt gab es nicht viel 1945.

In Bayern waren wir eine ganze Zeit. Dort ist wurde auch meine Tochter geboren. Aber in Bayern wollte man uns keine Wiedergutmachung geben, weil wir von Hamburg deportiert worden waren. Da mussten wir dann wieder nach Hamburg zurück gehen. Ungefähr vier Jahre waren wir in Bayern. Zusammen mit den Brüdern von meinem Mann und meiner Mutter sind wir dann wieder nach Hamburg zurück gekommen. In Bayern hätten wir ja eben keine Entschädigung gekriegt. Meine Mutter bekam dann in Hamburg eine Wiedergutmachungsrente, weil mein Vater im KZ umgekommen war. Ich hab für meine beiden Kinder, die im Lager gestorben waren, jeweils 300 Mark gekriegt, weil die ja nicht lange gelebt haben.

Wir mussten uns einen Rechtsanwalt nehmen, um die Wiedergutmachung zu bekommen. Das war Dr. Hollebach. Wir hatten Anspruch auf 6.000 Mark, mein Mann 6.000 Mark und ich auch. Es hat furchtbar lange gedauert. Der Anwalt hat uns immer wieder vertröstet, wenn wir nachgefragt haben. Schließlich kam heraus, dass er sich mit dem Geld in die damalige Ostzone abgesetzt hatte. Das war ein großer Skandal, der auch in der Zeitung stand. Er ist mit dem Geld von vielen Menschen, die im Lager waren, einfach abgehauen. Weil das Geld ja bewilligt war, hatte ich mir schon einen Teppich gekauft, und Betten. Und nun hatte der Anwalt das ganze Geld unterschlagen. Wir haben dann einen anderen Anwalt genommen, der die Sachen übernommen hat. Das Geld haben wir nie ganz gekriegt. Seine Frau hat uns dann ab und zu mal 50 Mark geschickt und auch mal 1.000 Mark geschickt. Als meine Tochter heiraten wollte und wir etwas Geld für die Feier brauchten, habe ich die Frau von dem Anwalt angerufen. Daraufhin hat sie uns 1.000 Mark geschickt. Der Mann wurde später von der DDR ausgeliefert und kam dann hier ins Gefängnis. Er ist schließlich gestorben. Von dem Geld haben wir also nur einen ganz kleinen Teil gesehen; das, was uns die Frau von dem Anwalt manchmal gegeben hat.

Mein Mann hat immer gearbeitet. Er war erst selbständig und hat dann im Auslieferungslager bei Karstadt gearbeitet. Da war er viele Jahre. Er hatte da einen schweren Arbeitsunfall. Er ist von der Klappe von einem Transportwagen, von einem Lastwagen gefallen. Später hat er von Karstadt eine Unfallrente bekommen. Nicht lange nach diesem Unfall bekam mein Mann einen Herzinfarkt. Und im Krankenhaus den zweiten Herzinfarkt. Als er dann aus dem Krankenhaus heraus war, bekam er noch einen Schlaganfall. Er ist schließlich in einer Gefäßklinik an der Halsschlagader operiert worden. Innerhalb von 16 Jahren, bis mein Mann starb, hatte er mehrere Schlaganfälle. Es war eine sehr schwere Zeit, auch für mich.


Fotos*:Bildarchiv-Hamburg

Quelle: Karin Guth, Hamburg
Dank an Struan Robertson für die englische Übersetzung.

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