ARC Main Page Aktion Reinhard

Hermann Höfle

Letztes Update 28. Oktober 2005

Höfle
Hermann Julius Höfle wurde am 19. Juni 1911 in Salzburg geboren. 1930 trat er der österreichischen Nazi-Partei bei, am 1. August 1933 der NSDAP (Mitgl. Nr. 307 469) und SS. Er war ausgebildeter Automechaniker und arbeitete in Salzburg als Taxiunternehmer. Zwischen Ende 1935 und Januar 1936 saß er wegen unerlaubter politischer Betätigung im salzburger Polizeigefängnis ein.
1937 war Höfle Führer des SS-Sturmbanns 1/76. Er beteiligte sich an anti-jüdischen Aktionen während der "Reichskristallnacht" und fiel Adolf Eichmann auf, der ihn Globocnik als Mitarbeiter empfahl..

Nach einer Ausbildung an der Offiziersschule in Dachau war er bis zum Ausbruch des 2.Weltkrieges kurzzeitig im Sudetenland eingesetzt. Während der Invasion Polens diente er im 8. SS-Infanterieregiment, danach als Führer des "Selbstschutzes" in Nowy Sacz.
Am 1. September 1940 wurde Höfle nach Lublin versetzt. Dort arbeitete er für den "SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin", Globocnik. Höfle leitete nun die Zwangsarbeitslager am "Buggraben", einem Netzwerk von tiefen Panzergräben in der Nähe von Belzec. Er war außerdem Liegenschaftsverwalter Globocniks, verantwortlich für das Zwangsarbeitslager an der Lipowa Straße in Lublin, maßgeblich beteiligt an der Einrichtung von SS- und Polizeistützpunkten im Distrikt Lublin, und er baute das SS-Ausbildungslager in Trawniki mit auf.
Als Globocniks "Judenreferent" war er schon in früheste Planungen für die Aktion Reinhard involviert. Am 16. März 1942 nahm er an einem Treffen von SS und Zivilverwaltung in Lublin teil, das die Deportationen nach Belzec planen sollte.

Julius Schreck Kaserne
Julius Schreck Kaserne
In Lublin wohnte Höfle in der Julius Schreck Kaserne. Im Erdgeschoss befand sich die Transportabteilung. In der 1. Etage befanden sich die Verwaltung, Buchhaltung, Archiv und das Büro des Stabsführers. In der 2. Etage war die Personalabteilung. Hier bewohnte er ein Zimmer.

Höfle begleitete Eichmann bei dessen Besuchen in Belzec und Treblinka. Er spielte eine bedeutende Rolle bei den Deportationen in Mielec, Lublin, Rzeszow, Warschau und Bialystok und organisierte auch den Empfang von Transporten aus Deutschland, Terezin (Theresienstadt) und der Slowakei im Distrikt Lublin. Er gab Befehl, von allen nach den Transit-Ghettos (in Opole Lubelski, Konskowola oder Deblin), Sobibor oder Belzec gehenden Transporten arbeitsfähige, junge Männer für die Zwangsarbeit zu selektieren. Nach einigen Zeugenaussagen selektierte er auch persönlich und schickte die jungen Männer vorwiegend nach Majdanek.
Die Selektionen fanden auf der Rampe des Lagers Flugplatz in Lublin und dem Bahnhof von Naleczow (30 km von Lublin entfernt) statt. Die Selektionen in Naleczow fanden bei Transporten aus der Slowakei statt.

Die während der ersten Wochen der Aktion Reinhard angewendeten Methoden wiederholte Höfle später auch bei weiteren Deportationen, besonders im Warschauer Ghetto. Seine Aktivitäten in Warschau sind gut belegt: Am 22. Juli 1942, eine Woche nach seiner Ankunft in Warschau, tauchte er um 10:00 Uhr vormittags beim Judenrat auf. Er informierte den Vorsitzenden des Judenrates, Czerniakow, darüber, dass "alle Juden, egal welchen Geschlechts oder Alters, nach Osten deportiert würden, mit einigen Ausnahmen. Um 16:00 Uhr müssten 6.000 Menschen zur Abfahrt bereit stehen. Diese Mindestzahl würde von nun an die tägliche Quote sein." Noch am selben Tag tauchten mittags entsprechende Bekanntmachungen in den Straßen Lublins auf, verfasst vom Judenrat, aber diktiert von Höfle.
Zygmunt Warman, Mitglied des Warschauer Judenrates, sagte aus, dass Höfle dem Judenrat während dieses Treffens befahl, hölzerne Kisten (150x70 cm) bereit zu stellen. "Dies war ein sehr seltsamer Befehl. Viel später wurden wir gewahr, dass die Kisten für die geraubten Goldzähne und Juwelen gedacht waren, die nicht direkt in die Taschen der Henker gewandert waren."
Nach den Memoiren von Samuel Puterman besuchte Höfle während der "großen Aktion" im Warschauer Ghetto auch die Ghettostraßen sowie den Umschlagplatz. Was er dabei sah, interessierte ihn nicht weiter. Er war nur an den Zahlen der Deportierten nach Treblinka interessiert. Jeden Abend erhielt Höfle von einem für die Zählung verantwortlichen SS-Unterscharführer die tägliche Statistik für die Deportationen. Möglicherweise wurden ihm so oder ähnlich auch die Zahlen aus anderen Ghettos übermittelt.

Michalsen und Höfle, Mai 1945
Höfle wusste genau, unter welchen Bedingungen die Deportierten während der Zugfahrten litten und dass viele Menschen schon auf der Fahrt in die Vernichtungslager starben. Er wusste auch, dass Gerüchte über Treblinka im Ghetto kursierten. Er sagte zu Georg Michalsen: "Es hat keinen Sinn, das Ziel der Transporte zu verheimlichen, wenn jeder Jude darüber Bescheid weiß."
Zwei seiner vier Kinder (Zwillinge) starben in Lublin an einer Krankheit. Von Gram geplagt, rief er am Grab der Kinder: "Dies ist die Strafe für die Kinder von Warschau!"

Nachdem Globocnik im September 1943 nach Triest versetzt worden war, blieb Höfle noch in Lublin. Bei der Aktion Erntefest, als im November 1943 die Insassen der Zwangsarbeitslager im Distrikt Lublin ermordet wurden, spielte er eine bedeutende Rolle.

Nach Ende der Aktion Reinhard tauchte Höfle in Brüssel und den Niederlanden auf. Eventuell folgte er Globocnik auch noch nach Triest. Auf jeden Fall wurde er zusammen mit Globocnik, Lerch und Michalsen am 31. Mai 1945 in Kärnten von britischen Truppen verhaftet.
Höfle wurde nicht der Prozess gemacht. Er lebte danach in Italien, Deutschland und Österreich. 1961 wurde er schließlich in Salzburg verhaftet und nach Wien gebracht. Dort erhängte er sich am 20. August 1962 in seiner Gefängniszelle.

Quellen:
Joseph Poprzeczny: Hitlerís Man in the East, Joseph- McFarland &Co. Inc, 2004
Simon Wiesenthal: Justice not Vengeance
Yisrael Gutman: The Jews of Warsaw
Stephen Tyas: Decoded Radio Messages from the PRO
Yad Vashem Archiv
Public Records Office (PRO), Kew
Institut der Nationalen Erinnerung in Warschau: Dokumente der Ermittlungen gegen Karl Georg Brandt.
Bundesarchiv in Ludwigsburg: Ermittlung gegen Georg Michalsen
Memoiren von Samuel Puterman in: Pamietniki z getta warszawskiego. Fragmenty i regesty (Memoirs from Warsaw Ghetto. Fragments). Ed. M. Grynberg. Warszawa 1993.

© ARC 2005